Irre

2017, Text: Rainald Goetz , TD Berlin, LICHTHOF Hamburg, Start off

 

Der junge, idealistische Arzt Raspe wählt sich als Arbeitsplatz die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie. Getragen wird Raspe von dem Wunsch, den Menschen zu heilen und die Psychiatrie zu einem besseren Ort zu machen. Doch schon bald beginnt er mit der Institution und ihren Regeln zu ringen. Wie viel Ordnung braucht der Mensch und wie viel Irrsinn verträgt die Gesellschaft? Der autobiografisch inspirierte Roman von Rainald Goetz erklingt als Kaleidoskop von Stimmen: Irre, Ärzt*innen, Angehörige, Gegner*innen und Fürsprecher*innen der Psychiatrie tauchen auf und verschwinden wieder. Szenen, Lieder und Dokumentarisches greifen energisch ineinander und bringen die Kategorien Normalität und Wahnsinn ins Schleudern. In Zusammenarbeit mit der Choreografin Vasna Aguilar inszeniert Henri Hüster eine Mischung aus Schauspiel und Tanz, die mit Goetz fragt: “Wie wollen wir leben? Was muss ich denken, um richtig zu verstehen, was ich fühle, wenn ich sehe, was passiert?“ 

Für Vasna Aguilar, Aurel von Arx, Anna Eger und Lukas Gander freilich ist die Inszenierung eine Tour de Force. Nicht nur, dass die Darsteller in atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Rollen, Stimmungen und Haltungen wechseln, sie tanzen, singen, kämpfen sich durch das im ersten Teil auf der Szene platzierte Publikum. Mal als Physiker, dem sein Fachgebiet die Sinnlosigkeit des Daseins vor Augen führt, mal als Grübler, der sich in den eigenen Argumenten verstrickt, mal als hyperaktives Kind, das immerhin eine traurige Moritat hergibt: „Never relax…

Drei Stunden Wahnsinn auf der Theaterbühne Falk Schreiber Hamburger Abendblatt 23.1.17

Regie: Henri Hüster/ Choreografie: Vasna Aguilar/ Dramaturgie: Lena Carle/ Bühne: Lea Burkhalter/ Kostüme: Marie Sturminger/ Assistenz: Stella Ruszkowski/ Bühnenassistenz: Eva Wagner/ Licht: Sönke C. / Mit: Vasna Aguilar, Aurel von Arx, Anna Eger, Lukas Gander

Foto: © Angelina Vernetti